Schiff-zu-Schiff-Transfer, oft als STS, ist der Vorgang, bei dem Ladung von einem Schiff auf ein anderes umgeladen wird, während beide Schiffe auf See oder an einem Ankerplatz bleiben. Dieser Vorgang ist in der Schifffahrtsindustrie weit verbreitet, insbesondere bei Öl, Flüssiggas, Chemikalien und Massengut. STS hilft Unternehmen, schneller zu arbeiten, die Hafenkosten zu senken und die Flexibilität der Flotte zu verbessern.
In diesem Artikel erläutern wir, was STS ist, warum es wichtig ist, welche wichtigen Ausrüstungsgegenstände beteiligt sind und welche Sicherheitspunkte Sie beachten müssen.
Warum STS-Operationen wichtig sind
Viele Unternehmen entscheiden sich für STS, weil es echte wirtschaftliche und betriebliche Vorteile bietet:
1. Niedrigere Betriebskosten
Die Schiffe müssen nicht in einen Hafen einlaufen, was niedrigere Hafengebühren, weniger Verspätungen und schnellere Abfertigungszeiten bedeutet.
2. Mehr Flexibilität
STS kann an Ankerplätzen, in Offshore-Gebieten oder in ausgewiesenen STS-Zonen durchgeführt werden. Diese Flexibilität ist besonders wertvoll für Ölhändler und Schiffseigner, die schnell auf Marktveränderungen reagieren müssen.
3. Größere Übertragungskapazität
Einige Häfen können keine sehr großen Rohöltanker (VLCC) abfertigen. Mit STS kann ein großes Schiff vor der Küste bleiben und die Ladung auf kleinere Schiffe umladen.
4. Bessere Zeitplanung
STS hilft, Staus in überlasteten Häfen zu vermeiden, und gibt den Unternehmen mehr Kontrolle darüber, wann und wo der Umschlag stattfindet.
Wie ein STS-Betrieb funktioniert
Ein Standard-STS-Vorgang umfasst die folgenden Schritte:
1. Planung vor der Operation
Der Betreiber prüft das Wetter, die Seebedingungen, den Verkehr, die Kompatibilität der Schiffe und die Sicherheitsvorschriften. STS-Standorte müssen über ruhige Bedingungen und ausreichend Seeraum verfügen.
2. Anlegen und Anflug
Das Manöver wird von erfahrenen Lotsen oder Anlegemeistern geleitet. Ein Schiff bleibt als “Mutterschiff” zurück, und das andere nähert sich langsam, gegebenenfalls mit Hilfe von Schleppern.
3. Einsatz von Fendern
Pneumatische Fender - große luftgefüllte Gummifender - werden zwischen den Schiffen platziert. Sie absorbieren Stöße und verhindern Schäden während des Transfers.
4. Schlauchanschluss
Ladeschläuche (Ölschlauch, LNG-Schlauch oder Schüttgutschlauch) werden zwischen den Schiffen verbunden. Die Besatzung führt Druckprüfungen und Sicherheitsinspektionen durch.
5. Frachtumschlag
Pumpen befördern die Ladung mit kontrollierter Geschwindigkeit von einem Schiff zum anderen. Beide Besatzungen überwachen Durchfluss, Druck und Temperatur in Echtzeit.
6. Fertigstellung und Abschaltung
Nach Beendigung des Ladungsumschlags werden die Schläuche abgekoppelt, die Fender eingeholt und die Schiffe sicher getrennt.
Schlüsselausrüstung für den STS-Betrieb
1. Pneumatische Fender
Diese sind für den Schutz beider Rümpfe bei STS unerlässlich. Sie bieten eine hohe Energieabsorption und ein stabiles Fahrverhalten, auch bei unruhiger See.
2. STS-Schläuche
Spezialschläuche werden für Öl, Chemikalien, Flüssiggas oder Schüttgut verwendet. Sie müssen internationalen Normen wie OCIMF oder EN entsprechen.
3. Verankerungsausrüstung
Leinen, Winden, Haken und Scheuerketten halten beide Schiffe sicher in Position.
4. Boote unterstützen
Schlepper, Serviceboote und Fenderboote helfen beim Festmachen und Positionieren.
Sicherheitsanforderungen für STS
Für den STS gelten weltweit strenge Sicherheitsstandards, da hier zwei Schiffe sehr nahe beieinander operieren. Zu den wichtigsten Sicherheitspunkten gehören:
- Geschulte Festmachermeister, die den Betrieb überwachen
- Richtiger Einsatz von pneumatischen Fendern
- Kontinuierliche Kommunikation zwischen beiden Brücken
- Vorhersageüberwachung für Wind, Wellen und Strömungen
- Regelmäßige Inspektion von Schläuchen und Decksausrüstung
- Einhaltung der OCIMF-Leitlinien und der örtlichen Seeverkehrsvorschriften
Ein gut geführter STS minimiert das Risiko und gewährleistet einen reibungslosen Frachtverkehr.
Gemeinsame STS-Anwendungen
- Umschlag von Rohöl und raffiniertem Öl
- LNG- und LPG-Transfer
- Chemische Fracht
- Bunkerung
- Umladen von Massengütern
- Leichterungsarbeiten für große Schiffe
Schlussfolgerung
STS (Ship-to-Ship Transfer) ist eine schnelle, flexible und kosteneffiziente Möglichkeit, Fracht zwischen Schiffen zu transportieren, ohne einen Hafen anzulaufen. Für Hafenbetreiber, Ölgesellschaften und Logistikmanager bietet STS enorme Vorteile in Bezug auf Effizienz und Terminplanung. Mit der richtigen Planung, guter Ausrüstung und strengen Sicherheitskontrollen wird STS zu einer zuverlässigen Lösung für den modernen Seeverkehr.


