Offshore-Plattformen können nicht mit den üblichen Methoden in einem Hafen anlegen. Die Bedingungen auf offener See wie Wellen, Wind, Gezeiten und Strömungen machen den Betrieb von Offshore-Schiffen viel schwieriger und gefährlicher als das Anlegen in einem Hafen.
Um die Schiffe während des Be- und Entladens, der Wartung oder des Transfers der Besatzung stabil und sicher zu halten, verwenden Offshore-Anlagen spezielle Anlegesysteme wie Single Point Mooring (SPM), Dynamic Positioning (DP), Ship-to-Ship (STS) Transfer und Side-by-Side-Anlegesysteme.
Die Wahl der richtigen Offshore-Anlegemethode ist entscheidend für:
- Sicherheit von Schiffen
- Effizienz des Gütertransfers
- Stabilität der Verankerung
- Leistung des Fender-Systems
- Offshore-Betriebskontinuität
In diesem Leitfaden erläutern wir die gängigsten Methoden zum Anlegen von Schiffen auf Offshore-Plattformen und in maritimen Einrichtungen, wie sie funktionieren und welche Fender-Systeme für die einzelnen Anwendungen am häufigsten eingesetzt werden.
Warum Offshore-Liegeplätze anders sind als Hafenliegeplätze
In traditionellen Häfen gibt es feste Docks und ruhige Wasserbedingungen. Offshore-Plattformen operieren auf offener See, wo die Schiffe ständig den Einflüssen ausgesetzt sind:
- Wellenbewegung
- Starke Strömungen
- Windlasten
- Gezeitenwechsel
- Schiffsbewegungen und Abdrift
Aufgrund dieser Bedingungen müssen Offshore-Anlegesysteme eine hohe Anlegeenergie aufnehmen und gleichzeitig eine sichere Bewegung der Schiffe ermöglichen, ohne Strukturen oder Schiffe zu beschädigen.
Aus diesem Grund werden bei Offshore-Einsätzen häufig fortschrittliche Verankerungssysteme und leistungsstarke Schiffsfender wie pneumatische Gummifender und schaumgefüllte Fender eingesetzt.
Haupttypen von Anlegeverfahren für Offshore-Schiffe
1. Einpunktverankerung (SPM)
Was ist Single Point Mooring?
Die Einpunktverankerung (Single Point Mooring, SPM) ist ein Offshore-Verankerungssystem, das es einem Tanker ermöglicht, mit einer schwimmenden Boje verbunden zu bleiben, während er sich je nach Wind, Wellengang und Strömungsrichtung frei um die Boje dreht.
SPM-Systeme sind in der Praxis weit verbreitet:
- Offshore-Ölterminals
- Rohölverladeanlagen
- FPSO-Betrieb
- LNG-Offshore-Transfersysteme
Vorteile von SPM-Systemen
- Ermöglicht 360-Grad-Bewegung des Schiffes
- Reduziert die Belastung beim Anlegen
- Geeignet für große Tankschiffe
- Funktioniert in tieferem Wasser als herkömmliche Stege
- Unterstützt kontinuierliche Offshore-Ladevorgänge
Mit SPM verwendete Fender-Systeme
Offshore-SPM-Operationen werden üblicherweise eingesetzt:
- Pneumatischer Kotflügel
- Schaumgefüllter Kotflügel
Pneumatische Fender sind besonders beliebt, da sie eine hohe Anlegeenergie absorbieren und sich gleichzeitig den wellenbedingten Schiffsbewegungen anpassen können.
2. Dynamische Positionierung (DP) Anlegen
Was ist dynamische Positionierung?
Dynamische Positionierung (DP) ist ein Schiffskontrollsystem, das Strahlruder, GPS, Sensoren und Bordcomputer einsetzt, um die Schiffsposition ohne physisches Ankern oder Festmachen zu halten.
DV-Systeme werden üblicherweise eingesetzt von:
- Offshore-Versorgungsschiffe
- Schiffe bohren
- Forschungsschiffe
- Unterwasser-Bauschiffe
Vorteile des DP-Anlegens
- Kein fester Liegeplatz erforderlich
- Schnelle Anpassung der Positionierung
- Geeignet für Tiefwassereinsätze
- Reduziert die Abhängigkeit von Verankerungen
Beschränkungen von DV-Systemen
- Hoher Kraftstoffverbrauch
- Teure Onboard-Systeme
- Erfordert geschultes Personal
- Weniger wirksam bei ungünstigen Wetterbedingungen
DP-Systeme werden bei Offshore-Einsätzen häufig mit Standby-Fendersystemen kombiniert.
3. Schiff-zu-Schiff (STS) Anlegen
Was ist die Schiff-zu-Schiff-Übertragung?
Schiff-zu-Schiff (STS)-Liegevorgänge beziehen sich auf den Frachtumschlag zwischen zwei Schiffen, die auf See nebeneinander liegen.
STS-Operationen werden in der Regel für folgende Zwecke eingesetzt:
- Öltransfer
- LNG-Transfer
- Bunkern von Kraftstoff
- Offshore-Frachtumschlag
Warum STS-Betriebe Hochleistungs-Kotflügel brauchen
Beim STS-Transfer bewegen sich die Schiffe aufgrund der Wellenbewegung unabhängig voneinander. Ohne angemessenen Fenderschutz kann der Schiffsrumpf schnell beschädigt werden.
Die am häufigsten verwendeten Fender im STS-Betrieb sind:
- Yokohama-Kotflügel
- Schaumgefüllter Kotflügel
Pneumatische Fender werden bevorzugt, weil sie eine hohe Sicherheit bieten:
- Hohe Energieabsorption
- Geringe Reaktionskraft
- Ausgezeichnete Schwimmleistung
- Langlebigkeit in Offshore-Umgebungen
4. Side-by-Side Anlegen
Beim Side-by-Side-Liegeplatz bleiben zwei Schiffe oder ein Schiff und eine schwimmende Anlage während des Offshore-Betriebs direkt parallel.
Diese Methode wird häufig für folgende Zwecke verwendet:
- FPSO Shuttle-Tanker-Beladung
- Offshore-Wartungsschiffe
- Besatzungstransferoperationen
- Schwimmende Lagereinheiten
Zentrale Herausforderungen
Beim Anlegen nebeneinander entsteht ein ständiger Kontaktdruck zwischen den Strukturen. Das Fendersystem muss damit umgehen können:
- Wiederholte Kompression
- Relative Schiffsbewegung
- Lange Betriebszeiten
- Hohe Kontaktbelastungen
Schaumstoffgefüllte Kotflügel werden häufig für diese Anwendungen gewählt, da sie ihre Leistung auch dann beibehalten, wenn die Außenhaut beschädigt ist.
5. Anlegestelle und Offshore-Terminal Anlegen
Einige Offshore-Anlagen nutzen feste Anlegestellen oder Seeterminals in Küstennähe.
Diese Einrichtungen sind üblich in:
- LNG-Terminals
- Schüttgut-Terminals
- Offshore-Stützpunkte
- Ölexportterminals
Gängige Fendersysteme für Offshore-Jetties
Feste Offshore-Terminals verwenden in der Regel:
- Konusfender
- Zellenfender
- Bogenfender
Diese Fendersysteme bieten eine hohe Tragfähigkeit und eine lange Lebensdauer für wiederholte Anlegevorgänge.
Vergleich von Offshore-Anlegeverfahren
| Anlegeverfahren | Beste Anwendung | Hauptvorteil | Wichtigste Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Einpunktverankerung (SPM) | Öltankschiffe | 360°-Drehung des Gefäßes | Hohe Installationskosten |
| Dynamische Positionierung (DP) | Offshore-Hilfsschiffe | Keine physische Verankerung erforderlich | Hoher Kraftstoffverbrauch |
| Schiff-zu-Schiff (STS) | Frachtumschlag | Flexible Offshore-Übertragung | Wetterfühlig |
| Side-by-Side Anlegen | FPSO-Betrieb | Effiziente Übertragung | Erfordert einen starken Kotflügelschutz |
| Liegeplatz am Steg | Terminals an der Küste | Hohe Ladeeffizienz | Begrenzte Standortflexibilität |
Faktoren, die die Sicherheit von Offshore-Liegeplätzen beeinflussen
Mehrere technische Faktoren beeinflussen die Leistung von Offshore-Liegeplätzen.
Wellenhöhe
Höhere Wellen verstärken die Schiffsbewegungen und die Aufprallenergie beim Anlegen.
Gefäß Größe
Große Tankschiffe erzeugen erheblich größere Anlegekräfte.
Verankerung Konfiguration
Eine unsachgemäße Anordnung der Liegeplätze kann zu ungleichmäßiger Belastung der Schiffe führen.
Fender Energie-Absorption
Schiffsfender müssen die kinetische Energie von Schiffen absorbieren, ohne dass die Struktur versagt.
Wetterbedingungen
Die Windgeschwindigkeit und die Richtung der Meeresströmung wirken sich direkt auf die Stabilität der Schiffspositionierung aus.
Warum pneumatische Fender im Offshore-Bereich weit verbreitet sind
Pneumatische Gummifender werden häufig bei Offshore-Liegeplätzen eingesetzt, da sie in rauen Meeresumgebungen gut funktionieren.
Ihre Vorteile sind:
- Hohe Energieabsorption
- Niedriger Rumpfdruck
- Floating-Fähigkeit
- Einfache Installation
- Hervorragende Leistung unter Gezeitenbedingungen
- Geeignet für STS- und SPM-Operationen
Im Vergleich zu herkömmlichen Vollgummifendern passen sich pneumatische Fender besser an die Bewegungen von Offshore-Schiffen an.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die sicherste Offshore-Anlagemethode?
Es gibt nicht die eine sicherste Methode. Das beste Offshore-Anlegesystem hängt von der Schiffsgröße, der Wassertiefe, der Art der Ladung, den Wetterbedingungen und den betrieblichen Anforderungen ab.
Welche Fender werden für das Anlegen vor der Küste verwendet?
Zu den üblichen Offshore-Fendern gehören:
- Pneumatische Gummifender
- Schaumstoffgefüllte Kotflügel
- Kegelförmige Schutzbleche
- Fender für Zellen
Pneumatische Fender sind vor allem im STS- und Tankschiffsverkehr üblich.
Warum werden beim STS-Transfer pneumatische Fender verwendet?
Pneumatische Fender absorbieren eine hohe Aufprallenergie bei gleichzeitig geringer Reaktionskraft, was zum Schutz des Schiffsrumpfes bei Bewegungen von Schiff zu Schiff beiträgt.
Was ist der Unterschied zwischen SPM- und STS-Operationen?
Bei SPM wird eine feste Offshore-Boje zum Festmachen verwendet, während bei STS zwei Schiffe die Ladung direkt zwischen sich umladen.
Schlussfolgerung
Das Anlegen von Offshore-Schiffen ist weitaus komplexer als das normale Anlegen in einem Hafen. Die Bedingungen auf offener See erfordern spezielle Anlegesysteme, fortschrittliche Positionierungstechnologie und zuverlässigen Schutz durch Fender.
Von Single-Point-Mooring-Systemen (SPM) bis hin zu Ship-to-Ship (STS)-Umschlagoperationen dient jede Offshore-Anlegemethode unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen und Umweltbedingungen.
Die Wahl des richtigen Anlegesystems - zusammen mit der richtigen Fenderlösung - trägt zur Verbesserung der Sicherheit, zur Verringerung von Schiffsschäden und zur Aufrechterhaltung eines effizienten Offshore-Betriebs bei.

